Ablauf einer freien Trauerfeier
Der grosse Vorteil einer freien Trauerfeier: Es gibt keine Regeln, bis auf die Regeln der Pietät, und keine Grenzen, bis auf die Grenzen der Würde.
Darum heisst es ja auch: freie Trauerfeier.
das Anzünden von Kerzen als Ritual an einer freien Trauerfeier
Es gibt absolut keine Vorgaben an Ort, Zeit, Dauer und Ablauf und die Hinterbliebenen können, soweit sie möchten, die Zeremonie mitgestalten.
Ich kann dir an dieser Stelle also nicht einen fixen Ablauf präsentieren, aber zeige ich dir aber gerne Elemente, die frei gewählt und zusammengestellt werden können und von Begrüßung und Verabschiedung eingerahmt werden.
Der Rahmen:
Begrüssung:
Das ist für mich das schwierigste Element einer Trauerfeier. Welche Menschen werden wir da begegnen? Wie geht es ihnen in ihrer Trauer? Diese Fragen beschäftigen mich direkt vor meinem ersten Wort. Gerade weil die Trauergemeinschaft aus so vielen verschiedenen Menschen mit verschiedenen Geschichten, unterschiedlichen Erfahrungen und Beziehungen zu der verstorbenen Person besteht, ist es für mich besonders wichtig, ruhig, einfühlsam und auf Augenhöhe zu starten.
Ich empfehle daher, am Anfang ein Lied zu spielen, so können alle abgeholt werden. Nach dem Lied starte ich meistens mit einem Gedicht, dieses kann von den Angehörigen kommen oder ich nehme eines aus meiner Sammlung, am liebsten aber starte ich mit einem Gedicht, welches ich extra für den Anlass und die verstorbene Person geschrieben habe.
Durch das Lied und das Gedicht, haben alle Angehörigen Zeit, anzukommen, bevor ich alle begrüsse und mich und meine Arbeit kurz vorstelle.
Verabschiedung:
Auch das ist wieder ein fragiler Moment für mich: die Angehörigen gehen zurück in ihren Alltag und ich gestalte diesen Übergang bewusst. Ich spreche daher noch einmal über den Tod und die Trauer, die uns jetzt begleitet, möchte aber auch einen kleinen Samen Mut und Lebensfreude säen. Mit feinen und einfühlsamen Worten erinnere ich an das, was bleibt, auf das schon nach der Zeremonie das Herz ein kleines bisschen leichter ist oder Heilung und Trost angestossen wird.
Informationen:
Natürlich gibt es da auch Platz für Informationen: Was passiert nach der Zeremonie? Wohin mit den Trauerkarten? Gibt es noch ein Essen? Möchten die Angehören noch etwas sagen?
Ganz am Ende der Zeremonie empfehle ich wieder ein Lied - auch das gestaltet den Übergang zurück in den Alltag etwas leichter.
Elemente Trauerfeier
Den Tod beim Namen nennen:
Vielleicht können wir noch gar nicht ganz begreifen, was passiert ist, sind erschüttert und überfordert. Da hilft es, den Tod beim Namen zu nennen und vielleicht auch zu erwähnen, woran der Mensch verstorben ist. Je nach Situation ist das aber nicht in aller Transparenz angebracht - Zum Beispiel wenn der Tod Raum für Spekulation lässt, dies zu diesem Zeitpunkt aber nicht erwünscht ist. In diesen Fällen suche ich gemeinsam mit den Angehörigen nach Worten und Formulierungen.
Musik als Anker an der Trauerfeier
Musik:
Musik zwischendurch schafft Raum für eigene Gedanken und Erinnerungen. Die Lieder können live von Angehörigen oder gebuchten Profis, sowie auch ab Box gespielt werden.
Die Wahl der Lieder ist komplett frei und auch wenn es klassische Lieder für Beerdigungen gibt, empfehle ich, Stücke zu wählen, die mit Erinnerungen an die verstorbene Person verbunden sind. Das Lieblingslied? Der Song, zu dem ihr immer in der Küche getanzt habt? Der Hit vom Sommer, in den ihr euch kennengelernt habt? Ein Text, der euch berührt hat oder Hoffnung schenkt.
Tipp: Achtet da gut auf die Texte und lässt sie im Zweifelsfall übersetzen. Ich hatte mal den Fall, dass die Witwe ein Lied spielen wollte, in welchem Frauen sexualisiert wurden - das Lied war damals, als sie es so oft gehört hatten, vielleicht toleriert, aber definitiv unpassend in der heutigen Zeit und ganz besonders auf einer Trauerfeier.
Liedtexte:
Ich verwende in meinen Trauerfeiern gerne Texte aus den gespielten Liedern, um damit Übergänge zu gestalten oder eigene Gedanken zu unterstreichen.
Stille:
Auch das ist ein gutes, einfaches, aber nicht weniger wirkungsvolles Element einer Abschiedsfeier. Ich ermutige sehr gerne an der Zeremonie zu einem Moment der Stille und des Gedenkens. Gemeinsam zu schweigen, verbindet uns Menschen und Verbindung können wir in der Zeit besonders gebrauchen.
Lebenslauf/Erinnerungen und Anekdoten:
Ich kann einen klassischen Lebenslauf mit Daten präsentieren, sofern das gewünscht wird - Viel lieber aber, erzähle ich Geschichten aus dem Leben. Wer war der Mensch, den wir heute verabschieden? Wie hat er gelebt? Geliebt? Was war ihm wichtig? Was hat ihn geprägt? Gefreut? Oder Angst gemacht?
Was war seine Vorstellung vom Tod und was danach mit ihm passiert?
So können wir uns gemeinsam erinnern, weinen und - wer weiss - auch mal lachen.
Fotos:
Während der Stille oder der Erinnerung können Bilder gezeigt werden: wir können physische Fotos durch die Reihen gehen lassen oder, sofern die Zeremonie drinnen stattfindet, sie an die Wand projizieren. Fotos verbinden uns mit der verstorbenen Person und ihren unterschiedlichen Facetten und Geschichten.
Erinnerungsstücke:
Der Lieblingspulli, die erste Platte, die Uhr, die Papa immer getragen hat oder der Haarreif der Schwester. Die Dinge, die uns im Leben begleitet haben sind stille Zeugen unserer Zeit hier auf der Erde und sie können an der Trauerfeier helfen, zu erinnern und diese Geschichten zu erzählen.
Erinnerungskiste gestalten
Ritual:
Gemeinsam Kerzen anzünden, Laternen steigen lassen, Erinnerungen aufschreiben und an einen Erinnerungsbaum hängen, Papierflugzeuge basteln, eine Girlande binden als Deko für das Grab: der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Meist mache ich einen passenden Vorschlag, damit die Angehörigen ihre Gedanken dazu mitteilen und so die Zeremonie prägen können. Natürlich bin ich jeweils auch sehr offen für eigene Vorschläge und Ideen.
Beiträge von Angehörigen:
Einen Brief an den Vater, ein Lied für die Oma, ein Gedicht für die Freundin: eigene Beiträge machen die Zeremonie persönlicher und die Hinterbliebenen mit ihrer Trauer nahbar.
Das darf einfach nicht unterschätzt werden: kann ich in dem Moment mit all den Gefühlen wirklich vor einer Gruppe Menschen sprechen oder etwas präsentieren? Da dies dann vielleicht doch nicht immer so möglich ist, wie geplant, bitte ich die Angehörigen jeweils, mir ihre Beiträge im Vorhinein zu senden - so kann ich jederzeit zur Seite stehen, falls die Emotionen zu überwältigend sind oder die Stimme brechen sollte.
Gedichte:
Das ist meine Spezialität. Seien es eigene Texte, berühmte Zitate, Songtexte oder Gedichte der verstorbenen Person - für mich ist dies das ideale Mittel, um Übergänge zu gestalten. Auch da ist den Angehörigen freigestellt, ob sie diese wählen möchten, oder ob ich sie zusammenstelle. Was aber für mich zu meiner Arbeit dazugehört, ist, dass ich für die verstorbene Person ein eigenes Gedicht schreibe - passend zu dem Menschen, seinem Leben und dem, was bleibt.
Ich halte bewusst nur wenige Trauerreden pro Jahr, da ich genügend Raum haben möchte, über den Menschen, den wir verabschieden, nachzudenken und in sein Leben und seine Geschichten "einzutauchen" - das ist für mich so intensiv und berührend, dass ich gar nicht anders kann, als darüber zu schreiben. Nebenbei ist das für mich das schönste an meiner Arbeit als freie Trauerrednerin.
Glaube und Religion:
Ich gestalte meine Trauerfeiern bewusst frei von religiösen Inhalten - natürlich gibt es aber die Möglichkeit durch Texte, Lieder, Gebete und Rituale, den Glauben der verstorbenen Person oder der Gemeinschaft mit einzubinden.
Taschentuch, welches an das Lieblingshirt des verstorbenen erinnert.
Handfeste Erinnerung zum Mitnehmen:
Ich gestalte meine Trauerfeiern gerne so, dass die Menschen am Ende etwas mitnehmen können. Sei es eine Blume, eine Karte mit dem persönlichen Gedicht, einen Link zum Lieblingslied, ein Foto der verstorbenen Person oder einen anderen Gegenstand, der an den geliebten Menschen erinnert. Damit schaffe ich einen zarten Übergang zwischen der Zeremonie und dem Alltag. Dieser Gegenstand soll uns später innehalten lassen und erinnern, dass der Mensch noch auf eine Art Teil unseres Lebens sein kann.
Gang zum Grab:
Falls die Zeremonie auf einem Friedhof stattfindet, gibt es die Möglichkeit, mit allen Trauernden gemeinsam zum Grab zu gehen und dort den Sarg oder die Urne herabzulassen. Dies passiert meist noch nach der Verabschiedung. Wir laufen gemeinsam über den Friedhof - ein Moment der Gemeinschaft, der auf schöne Art und Weise das feine Band zwischen Leben und Tod aufzeigt.
Nachdem das Personal vom Friedhof den Sarg oder die Urne ins Grab hinabgelassen oder die Asche ins Gemeinschafrsgrab gegeben hat, stehen wir noch einmal zusammen. Bei einem klassischen Grab gibt es noch die Möglichkeit, die verstorbene Person mit Erde und/oder Blumen zuzudecken.
Auch da sage ich noch ein paar Worte, um die Gemeinschaft anzuleiten und dann definitiv in den Alltag zu verabschieden.
Asche verstreuen:
In der Schweiz darf die Asche eines Menschen in der Natur verstreut werden: Im Wald, am Fluss, auf dem See, in den Bergen oder auch bei euch im Garten. Dies als Gemeinschaft an der Zeremonie zu tun, kann eine ganz besondere, wie auch tröstende Erfahrung sein - ganz nach den Motto: wir kommen aus der Natur und zu ihr gehen wir zurück.
Fragen und Antworten freie Trauerfeier:
Wer bestimmt den Ablauf?
Welche Elemente ich in der Trauerfeier wie verwende, spreche ich in Ruhe im Vorgespräch zur Zeremonie mit den Angehörigen ab. Das Vorgespräch findet jeweils am einem neutralen Ort oder bei den Angehörigen zuhause statt. Nachdem ich mir dann ausführlich Gedanken gemacht habe zur verstorbenen Person und der Zeremonie, bespreche ich den finalen Ablauf noch einmal mit dem Hinterbliebenen - diese haben also zu jeder Zeit die finale Kontrolle.
Wie lange dauert die Trauerfeier?
Das variiert natürlich und ich kann mich da komplett den Wünschen der Angehörigen anpassen. Meiner Erfahrung nach ist eine länge von 45 Minuten bis 1h 15 Minuten optimal - je nach dem kommt noch der Gang zum Grab hinzu.
Wo findet die Trauerfeier statt?
In einem Restaurant, einem Saal der Gemeinde, einer Veranstaltungslocation, beim Friedhof, am Fluss, im Wald, bei euch Zuhause - da wo ihr euch versammeln und dem geliebten Menschen gedenken möchtet.
Wie viel kostet eine Trauerfeier?
Das kommt natürlich auf viele Faktoren an:
Wo findet die Zeremonie statt? Gibt es Blumendekoration? Professionelle Musiker*innen? Eine Trauerrednerin?
Wie viel kostet eine freie Trauerrednerin?
Für meine Arbeit verrechne ich 120.-/h - für die ganzen Vorbereitungen, das Vorgespräch und die Zeremonie benötige ich zwischen 10 und 15 Stunden. Aber: wichtiger als das Geld ist es mir, einem Menschen einen würdigen Abschied zu gestalten, weshalb man diesbezüglich immer mit mir reden kann.
zum Schluss:
Jeder Abschied ist so einzigartig wie der Mensch, den wir gehen lassen müssen, da gibt es kein ‚Richtig‘ oder ‚Falsch‘.
Wenn ihr Unterstützung braucht, um aus diesen Elementen und allenfalls euren eigenen Ideen eine stimmige Zeremonie zu weben, bin ich für euch da.
Lasst uns gemeinsam schauen, wie wir die Geschichte eures geliebten Menschen erzählen wollen.
freie Trauerrednerin aus Luzern Zippora Marti